Hallo ihr Lieben!
Mein Gott, was für aufregende Tage! Es ist ja jetzt schon ein bisschen her, seitdem ich das letzte Mal etwas geschrieben oder gesagt habe. Genauer gesagt, ein Tag.
Am Sonntag Abend habe ich Nanaimo mit Ziel Gabriola Island verlassen. So schlecht wie das Wetter, war auch meine Stimmung. Ich hatte mich schon richtig gut eingelebt, noch einen tollen Nachmittag mit Sandra, die ich im Hostel kennengelernt hatte, auf der kleinen Inseln Newcastle Island verbracht, und musste dann auf die Fähre nach Gabriola.
Der Himmel zog im Laufe des Tages immer weiter zu, es fing an zu regnen und es alles sah sehr trübe aus. Nach etwa 20 Minuten Fahrt kam ich auf Gabriola an. Eigentlich hatte ich mit Ike ausgemacht, er solle mich nach meiner Ankunft vom Fährterminal abholen, doch weit und breit war nichts zu sehen. Langsam leerte sich die Anlegestelle, und am Schluss stand ich alleine im Regen da. Ich fragte mich, ob ich vielleicht die falsche Fähre genommen habe, und ich eine andere Uhrzeit ausgemacht hatte. Also stellte ich mich darauf ein, zumindest bis zur Ankunft der nächsten Fähre, eine Stunde später zu warten, ihn dann anzurufen, oder gleich nach Nanaimo zurückzufahren, ich hatte ja eigentlich sowieso keine richtige Lust mehr. Also stand ich dort im Regen, ich wurde nasser und nasser, es wurde im kälter und keine Spur von Ike. Nach etwa einer halben Stunde hielt ein alter brauner Van mit der Aufschrift „Fresh Apples“ vor mir, und mir war klar, dass das mein zukünftiger Boss sein würde. Ich stieg ein, und er begrüßte mich freundlich. Das Auto war in einem unglaublichen Zustand, so etwas habe ich noch nicht gesehn. Alles voll mit getrocknetem Schlamm, Bierflaschen auf dem Boden, und ich hatte das Gefühl es würde jeden Moment auseinanderbrechen. Aber Ike war nett, Kalina, seine Tochter schlief, und durch meine gespielte Freundlichkeit stieg meine Stimmung auch wieder ein wenig. Über die halbstündige Verspätung sah ich hinweg, da ich ja schon von Pascal gehört hatte, Ike sei nicht der zuverlässigste.
Wir machten zunächst vor Ikes neuem Haus, das sich grade im Bau befand Halt, und er zeigte mir den grandiosen Ausblick auf den Pazifik, den er in Zukunft, wenn das Haus fertigestellt war, haben konnte. Neben dem Haus sah ich zahlreiche Entrindete, gepeelte, Baumstämme, und ich sah mit eigenen Augen, was Pascal in seinem Blog und im Chat geschildert hatte. Ich durfte daraufhin noch Ikes Schwester, die in einem kleinen Haus neben der Baustelle wohnt, begrüßen. Sie war sehr nett, und erzählte mir, sie habe Bekannte in Germany. ( Das machen übrigens fast alle, denen man erzählt man kommt aus Deutschland ).
Es ging dann mit dem Auto weiter zum Haupthaus. Ike sagte, ich könne mein Gepäck im Auto lassen, er würde es später zum Honeyhouse ( Dem Haus für uns WWOOFer ) bringen. Also ging ich ins Haupthaus, wo Pascal schon auf mich wartete. Das Wohnzimmer sah in etwa so aus, wie das Auto. Ein unglaublicher Saustall. Das Mittagessen lag neben Bierflaschen, Kinderspielzeug und anderem Müll auf dem Boden. Im ersten Stock war Ikes Koreanische, 22 Jahr jüngere Frau, Boujong. Natürlich begrüßte sie mich nicht, sondern schaute oben Koreanische Filme, was sie wohl den ganzen Tag macht. Überhaupt schien ihr der Kontakt mit den anderen WWOOFern nicht so wichtig, auch hier trafen Pascals Schilderungen zu. Meine Laune sank wieder etwas, und ich fragte mich, ob ich es hier lange aushalten würde. Zusammen ging ich mit Pascal in „unser“ Haus, nachdem ICH meine Sachen aus dem Auto geholt hatte, hat Ike wohl vergessen, was im Vergleich zu dem Haus der McKays ausgesprochen aufgeräumt war. Zwar waren überall Spinnweben und anderes Getier, aber die WWOOFer schienen einen einen ausgeprägteren Sinn für Ordnung zu haben als die „Gastfamilie“. Im Haus traf ich auf Roman aus Frankreich und Jong aus Korea. Sie waren beide sehr nett, und Roman sagte, er wolle am nächsten Morgen während des Frühstücks verkünden, die Farm zu verlassen. Auch er hatte wohl genug von Sklavenarbeit und schlechter Stimmung. Jong erging es nicht anders. Zwar wollte er die Farm noch nicht verlassen, aber unzufrieden war er. Für uns übersetzte er den Satz: „Ich hasse diese Farm“ ins Koreanische:
„Nanen ii nong jang ii schill o yo!“. Pascal eröffnete mir, er wolle auch nur noch bis Mittwoch bleiben. In diesem Moment fiel für mich die Entscheidung: Hier bleibe ich garantiert nicht zwei Wochen. Bis Mittwoch reicht! Ike hatte mich zwar im Auto gefragt wie lange ich bleiben würde, ich hatte gesagt, zwei Wochen, doch manchmal muss man eben an sich denken. Pascal wollte schließlich 2 Monate bleiben – es wurden etwa 10 Tage draus.
Gegen neun (!) Uhr gingen wir zurück ins Haupthaus, um unser Dinner zu bekommen. Pascal fragte über die Treppe in den ersten Stock, wie lange es noch dauere,und zum ersten Mal hörte ich Bojungs Stimme. In einem unfreundlichen Befehlston, der eher an Nordkoreanische Offiziere erinnerte, sagte sie dass Essen sei noch nicht fertig....Also warteten wir. Es gab dann eine Art Schweinebraten, was gar nicht so schlecht schmeckte. Während des Essens lernte ich noch zwei weitere Koreaner kennen, die beide ebenfalls auf der Baustelle arbeiteten, jedoch für ihre Arbeit bezahlt wurden. Ich muss glaube ich etwas kürzen, ich habe schon genug geschrieben... ;)
Nach einer etwas unbequemen Nacht auf dem Boden in einem Schlafsack näherte sich der erste Arbeitstag, der auch mein letzter sein sollte. Roman hatte sich bereits verabschiedet, sodass nur noch Jong, Pascal und ich übrig waren. Unsere erste Aufgabe bestand im, mittlerweile schon legendären Baumpeeling. Auch wenn wir Bäume schälen sollten, deren Rinde recht einfach zu entfernen war, konnte ich erahnen wie hart die Arbeit in den letzten Tagen gewesen sein musste.
>Danach mussten wir einen Stapel Holzbretter, fünf Meter weiter, originalgetreu versetzen. Auch etwas stupide, man hätte die Bretter auch gleich nach Punkt B setzen können. Aus diesen Brettern mussten wir dann die guten aussuchen und die schlechten, die nicht mehr zu gerbauchen waren, auf einen anderen Haufen Bretter werfen. Am Dienstag sollte nämlich ein Truck mit neuem Material auf der Baustelle ankommen. Ike lobte uns einige Male. Dies war wohl eher unüblich für ihn, vielleicht hat ihn der Auszug von Roman doch etwas überrascht. Aber trotzdem blieb die ganze Arbeit etwas stupide. Nach der Mittagspause mussten wir noch 2 Stunden Apple picken. Damit hatten wir keine Probleme, deswegen sind wir ja schließlich auf die Farm gekommen. Danach entschied ich mich mit Pascal, die Farm nicht schon am Mittwoch, sondern schon morgen ( Dienstag ) zu verlassen. Die ganze Stimmung war einfach nicht gut. Bojoung war unfreundlich, so gut wie niemand, asugenommen Ike, konnte richtig Englisch, und man wurde eher als billige Arbeitskraft, als als arbeitender Gast aus dem Ausland betrachtet. Dazu passt auch die Episode, dass Ike uns den Heizer in unserem Haus nicht anmachen wollte, weil wir doch so teure Arbeitskräfte seien, und er so viele Ausgaben durch uns hätte. Unsere Arbeit sei javiel weniger wert, als das was wir dafür bekamen.
Naja, ich denke das sagt alles. Am Montagabend schlich ich mich mit Pascal ins Haus, um unsere Flucht zu planen. Wir hatten geplant, den McKays nichts von unserem Abschied zu sagen, und sie einfach am nächsten Tag kalt im Regen stehen zu lassen. Also riefen wir heimlich bei einem Taxiunternehmen an, und bestellten ein Taxi für den nächsten Morgen an die Straßenkreuzung vor dem Grundstück.
Am Dienstagmorgen schlichen wir uns hinaus, rannten unerkannt durch die Apfelplantage und warteten vor dem Tor auf das bestellte Taxi. Stets in Sorge, Ike könnte uns begegnen, liefen wir, als das Taxi nicht auftauchte, die Straße entlang und riefen von einem nahegelegenem Hotel aus, ein weiteres Taxi, dass dann auch kam und uns zum Fährterminal brachte. Gegen neun Uhr setzten wir nach Nanaimo über, frühstückten in Ruhe in einem schönen Café und nahmen dann das Wasserflugzeug nach Vancouver. Das war unglaublich toll ! ( Siehe Bilder ) Wir sind sogar über Ikes Farm geflogen, und konnten die Baustelle erkennen. Wir malten uns aus, wie außer sich er sein musste, zu sehen, dass zwei seiner Arbeitskräfte einfach verschwunden waren. Natürlich war das nicht höflich, ein Abenteuer war es aber trotzdem. Und eine interessante Erfahrung. Ich bin auf jeden Fall froh, dort weg zu sein, und in Vancouver wieder neu zu beginnen. Ich habe gleich ein Interview bei Kentucky Fried Chicken, mal schauen wie das läuft. Ich möchte mir ein kleines Zimmer suchen, und bin motivierter als je zuvor, dass das im Moment das richtige ist.
Ich weiß, der Eintrag ist ziemlich lang, das musste aber sein !
>Ich melde mich morgen wieder, wer weiß, vielleicht schon mit einem Job :)







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